Hydraulikadapter Winkel und Schott mit Kontermutter

Hydraulikadapter erklärt: BSP, ORFS, JIC, JIS, NPT, SAE, Metrisch – Alles im Überblick

Lesezeit: 6 Minuten *

Was sind Hydraulikadapter und was bedeuten all diese Abkürzungen?

BSP, ORFS, JIC, NPT, JIS – diese Begriffe beschreiben Gewindearten und klingen für viele wie ein verwirrender Buchstabensalat. Wer sich zum ersten Mal mit Hydraulikadaptern beschäftigt, hat oft das Gefühl, den Überblick zu verlieren. Doch sobald man die Grundlagen verstanden hat, ist das System dahinter gar nicht mehr so kompliziert. 

Hydraulikadapter sind Bauteile, die zwei unterschiedliche Leitungen, Schläuche oder Komponenten in einem Hydrauliksystem miteinander verbinden – meist dann, wenn Gewindearten, Durchmesser oder Normen nicht zueinander passen. Ohne passende Adapter könnten viele Anlagen nicht betrieben oder erweitert werden. Es gibt nicht nur verschiedene Gewindearten sondern auch verschiedene Bauformen, wie zum Beispiel Winkel in 45° oder 90°, T-, L- oder Kreuzstücke.

Der Grund für die Vielzahl an verschiedenen Standards liegt in der internationalen Entwicklung von Maschinenbau und Hydrauliktechnik. Unterschiedliche Länder und Hersteller haben über Jahrzehnte eigene Normen und Standards entwickelt – abhängig von Industriegeschichte, Fertigungstradition und Anwendungsbereiche. Deshalb begegnet man bei US-amerikanischen Geräten meist JIC oder NPT und bei japanischen Baumaschinen JIS, während in Europa überwiegend metrische Systeme zum Einsatz kommen.

In diesem Beitrag erklären wir diese Abkürzungen und zeigen Ihnen die wichtigsten Anschlussarten, ihre Normen, Einsatzbereiche und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten – damit Sie beim nächsten Mal auf einen Blick erkennen welche Anschlussform passt.

BSP 60° Konus - Der Klassiker aus dem Vereinigten Königreich

BSP steht für British Standard Pipe, ein Gewindesystem, das ursprünglich in Großbritannien entwickelt wurde und auf dem Whitworth-Gewindeprofil basiert. Es ist ein zölliges Gewinde, das besonders im englischsprachigen Raum verbreitet ist. Es wird aber auch im restlichen Europa vielfach eingesetzt. Der BSP Adapter mit 60° Konus dichtet über eine konische Metall-Verbindung ohne O-Ring. BSP gibt es in zwei Varianten: BSPP (Parallel) nach ISO 8434-6 und BSPT (Konisch). Für Hydrauliksysteme wird fast immer BSPP mit Dichtkonus verwendet, da die parallele Ausführung eine bessere Wiederverwendbarkeit bietet. Achten Sie auf Verwechslungen bei der Gewindesteigung!

Diese Verbindung kommt häufig zum Einsatz bei Landmaschinen, stationären Anlagen mit britischer Herkunft und bei einfachen Hydrauliksystemen.

Vorteile:
* einfache und bewährte Verbindungstechnik
* weit verbreitet und international kompatibel
* kein Dichtmittel notwendig bei sauberer Konusfläche

ORFS flachdichtend mit O-Ring - Die vibrationsfeste Lösung

ORFS steht für O-Ring Face Seal, ein Dichtungssystem aus den USA nach der Norm SAE J1453, bei dem ein O-Ring in einer Nut auf der Stirnfläche des Anschlusses sitzt. Beim Verschrauben presst sich diese Fläche gegen ein passendes Gegenstück und sorgt dadurch für eine plane, leckfreie Verbindung. Im Gegensatz zu anderen Systemen erfolgt die Abdichtung nicht über das Gewinde, sondern ausschließlich über die flache Dichtfläche mit dem O-Ring. 

ORFS-Anschlüsse wurden speziell entwickelt, um in Anwendungen mit hohen Druckspitzen, starken Vibrationen und häufigen Montieren bzw. Demontieren eine zuverlässige und wartungsarme Verbindung zu gewährleisten. Prüfen Sie bei der Montage den O-Ring immer sorgfältig, da ein beschädigter Ring sofort zu Undichtigkeiten führen kann.

Typische Einsatzbereiche für diesen Anschluss sind Baumaschinen wie z.B. Bagger und Lader und moderne mobile Hydrauliksysteme.

Vorteile:
* einfache Montage
* mehrfaches Lösen ohne große Dichtprobleme
* sehr gute Dichtwirkung auch bei Vibrationen und Druckspitzen 

Hydraulikadapter BSP 60° Konus Außengewinde und Muttergewinde
Hydraulikadapter ORFS flachdichtend mit O-Ring
Hydraulikadapter JIC 37° Konus Winkel und Verschlussmutter
Hydraulikadapter metrisch 24° Konus Außengewinde und Muttergewinde

JIC 37° Konus - Der robuste Allrounder aus Amerika

JIC steht für Joint Industry Council und ist ein amerikanischer Standard (SAE J514) für Hochdruckverschraubungen. Der Adapter dichtet über einen 37° Außenkonus, also eine präzise abgeschrägte Metallfläche, die gegen eine passende gegenteilige Mutter mit Innenkonus presst. JIC Verbindungen sind besonders unempfindlich gegenüber hohen Drücken und mechanischer Beanspruchung. 

Diese Verbindung tritt häufig bei Baumaschinen und Anlagen aus den USA auf.

Vorteile:
* sehr hohe Druckfestigkeit je nach Größe und Serie bis über 400bar
* einfache Montage ohne Dichtmittel
* international standardisiert und weit verbreitet

Metrisch 24° Konus - Der europäische Industriestandard

Der metrische 24° Konus ist in Europa ein weit verbreitetes Dichtungssystem, das auf der DIN2353 Norm basiert. Es handelt sich um eine Verschraubung mit einem Schneidring und einem Gegenkonus im Anschlussstück, die eine feste, zuverlässige Verbindung bildet. Die Abdichtung erfolgt durch die Verformung des Schneidrings, der sich beim Anziehen in das Rohr einarbeitet. Dabei ist die Qualität des Schneidrings und der Vormontage entscheidend. Günstige Varianten neigen zu Rissen oder schlechtem Sitz. Investieren Sie lieber in hochwertige Komponenten. Wichtig ist auch das fachgerechte Anziehen der Mutter mit Drehmomentschlüssel, um Undichtigkeiten zu vermeiden.

Man findet dieses Anschlusssystem vor allem bei Landmaschinen, Industrieanlagen und Hydrauliksystemen in der Produktion.

Vorteile:
* Große Auswahl an Baureihen: Es gibt sehr leichte, leichte und schwere Serien
* Einzelteile wie Schneidring, Mutter und Verschraubung sind leicht austauschbar
* Platzsparende Bauform

Weitere Adapter Standards

Insbesondere, wenn Maschinenbauer aus unterschiedlichen Ländern zusammenarbeiten oder Ersatzteile weltweit beschafft werden müssen treffen die verschiedensten Adaptertypen aufeinander. Diese Systeme sind kein Sonderfall, sondern häufig im Alltag: In der Industrie, auf Baustellen oder in der Landtechnik sind Fachkräfte immer wieder mit der Herausforderung konfrontiert, unterschiedliche Anschlussarten miteinander zu verbinden.

Neben den oben beschriebenen Standards gibt es noch weitere wichtige Adaptertypen, die ebenfalls regelmäßig in der Praxis benötigt werden:

NPT (National Pipe Thread): Dieses konische Gewinde stammt aus den USA und wird häufig in nordamerikanischen Hydrauliksystemen eingesetzt. Die Abdichtung erfolgt über eine Gewindeverformung beim Anziehen – ohne zusätzliche Dichtmittel wie O-Ringe oder Flachdichtungen. NPT-Verbindungen sind besonders bei älteren Maschinen, Hydraulikzylindern und industriellen Anlagen anzutreffen. Der große Vorteil liegt in der Einfachheit, jedoch ist beim Einschrauben besondere Sorgfalt nötig, um Überdrehen und Undichtigkeiten zu vermeiden.

JIS (Japanese Industrial Standard): Ein in asiatischen Maschinen verbreiteter Standard mit 30° Konus. Ähnlich aufgebaut wie JIC, aber mit Unterschieden bei Winkel und Gewindeform. Diese Anschlussformen kommen häufig bei Minibagger von Marken wie Komatsu, Kubota oder Hitachi vor. Japanische Hersteller haben lange Zeit ihre eigenen Industriestandards verwendet, bevor sich internationale Normen wie SAE oder ISO durchsetzten. Besonders ältere Modelle sind daher mit JIS Anschlüssen ausgestattet.

SAE-Flansche (Society of Automotive Engineers): SAE-Flanschsysteme sind für höchste Druckbereiche konzipiert – typischerweise in stationären Anlagen, Pressen oder Hydraulikaggregaten mit großem Volumenstrom. Die Verbindung erfolgt über zwei Flansche, die mit Schrauben zusammengezogen werden, und eine Dichtung zwischen den Flächen. Sie erfüllen internationale Normen wie SAE J518, ISO 6162 und CETOP. Flanschanschlüsse sind besonders robust und ermöglichen eine schnelle Demontage bei Wartung oder Umbau.

Auswahlkriterien und Fazit:

Bei der Auswahl des passenden Adapters sollten Sie unbedingt den Betriebsdruck, Material und Normkonformität berücksichtigen. Der Adapter muss für den maximalen Systemdruck ausgelegt sein. Das schwächste Glied bestimmt die Druckfestigkeit der gesamten Verbindung. Je nach Medium und Umgebung wählen Sie das richtige Material wie zum Beispiel Stahl, Zink-Nickel-Beschichtung oder Edelstahl, damit Ihre Verbindung vor Korrosion geschützt ist. Achten Sie auf Übereinstimmung mit relevanten Normen. Das sorgt für Sicherheit und Kompatibilität. Achten Sie immer auf die richtige Kombination aus Gewindeart (metrisch, zöllig, konisch) und Dichtprinzip (Konus, O-Ring oder Flachdichtung). 

Hydraulik-Adapter sind nicht nur Verbindungsstücke, sondern wichtige Funktionsträger im System. Je besser Sie Ihre Eigenschaften verstehen, desto schneller finden Sie die passende Lösung – ob für Ihren Traktor, Bagger oder komplexe Industrieanlage.

In diesem YouTube-Short können Sie die verschiedenen Adapter und Anschlussstücke ansehen.

Wenn Sie unsicher sind, bringen Sie uns Ihr Muster und oder schicken Sie uns ein Foto per Mail oder Whatsapp. Wir helfen Ihnen gerne weiter!

 

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